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Ebreichsdorf, Schloß Ebreichsdorf

Properties

ID 135399
System Class Place
Case Study Schloß Ebreichsdorf
Place Palace
Administrative unit Austria , Lower Austria

Description

Dieser Text wurde für "NÖ-Burgen online" verfaßt (http://noeburgen.imareal.sbg.ac.at/, Thomas Kühtreiber) und darf mit Zustimmung der Autoren dankenswerterweise auch in unserem Projekt online gestellt werden:

2761
Ebreichsdorf I

KG Ebreichsdorf
OG Ebreichsdorf
VB Baden

Kategorie: Burgstall

Geschichte:

Zur frühen Geschichte s. Ebreichsdorf II.
(Gerhard Reichhalter)

Lage/Baubeschreibung:

Im Schlosspark, etwa 350 m westsüdwestl. vom Schloss, befindet sich – auf dem digitalen Geländemodell im NOE Atlas deutlich sichtbar – ein flaches rechteckiges Erdwerk mit einem ca. 38 x 30 m großen Plateau, das von einem ehem., heute verlandeten Wassergraben mit Außenwall umgeben war. Mit diesen Anlagen misst das Erdwerk W–O rund 67 m. Der Park ist mit einem geometrisch angelegten Wegenetz ausgestattet, das die Achsen des Schlosses aufnimmt. Das Erdwerk ist nicht auf die Wege ausgerichtet und wird von diesen tlw. überlagert, ist daher als Teil der Parkgestaltung auszuschließen. Es könnte sich somit um einen älteren, urk. nicht belegten Sitzstandort handeln.
(Gerhard Reichhalter)

1411
Ebreichsdorf II

KG Ebreichsdorf
OG Ebreichsdorf
VB Baden

Kategorie: Burg-Schloss

Adresse: 2483 Ebreichsdorf, Schloßplatz 1

Geschichte:

Ebreichsdorf wird erstmals 1120 in der Grenzbeschreibung der Pf. Traiskirchen erwähnt (NÖUB 2/1, Nr. 1113). Als erste nach dem Ort genannte Persönlichkeit tritt ein Otakar v. Ebreichsdorf 1294 unter ritterlichen Zeugen in einer Urk. Ortolfs Murl v. Pottendorf für das Kl. Heiligenkreuz auf (FRA II/11, Nr. 310). Im 14. Jh. sind die Hrn. v. Bergau Herrschaftsbesitzer in Ebreichsdorf. 1324 urkundet hier Ulrich d. Ä. v. Bergau, 1333 ertauschen die Brüder Ulrich und Berthold v. Bergau vom Kl. Melk die Andreaskirche in Ebreichsdorf gegen Besitz im Waldviertel (FRA II/89, Nr. 26; StiA Melk Urk. 1333 III 07).
In der Folge ist die Reihe der Herrschaftsinhaber Ebreichsdorfs erst wieder in der 2. H. d. 15. Jhs. feststellbar. So wird 1453 der Wiener Bürger und Stadtrat Simon Potl als Herr v. Ebreichsdorf fassbar. 1474 bietet die Burg angeblich noch Schutz während den Ungarneinfällen, 1487 aber befindet sie sich in der Gewalt Kg. Mathias v. Ungarn (Top. NÖ 2, 446). 1505 stellt Christoph v. Doppel in Ebreichsdorf eine Urk. aus (SchlA Weitra, Urk. 1505 VIII 09). Gut möglich, dass er der Inhaber der Hft. zur damaligen Zeit ist. 1529 erleidet die Burg schwere Schäden durch die Türken.
In der 1. H. d. 16. Jhs. sind die Meneses und Zelkinger Schlossherren, 1568 kauft Hieronymus Frh. v. Beck von Carl Ludwig v. Zelking den Besitz um 18.000 fl. 1629 folgen die Pestaluzz und 1639 bis 1686 die Freiherren v. Moser. 1683 können türkische Angriffe erfolgreich zurückgeschlagen werden. Unter den nunmehr häufig wechselnden Besitzer erscheinen 1686 die Collalto, 1705 die Pilati-Thassul und 1747 Frh. Franz v. Wiesenhütten. 1749 folgen die Bartenstein, die 1764 vom Kloster Melk den Zehent in Ebreichsdorf als Lehen erhalten (StiA Melk, Urk. 1764 VII 15). Im Jahr 1827 erscheint Gf. Markus Lorenz v. Buffy-Mignon, der Gemahl Josephas v. Bartenstein, als Besitzer v. Ebreichsdorf (Top. NÖ II, 447). Ihm folgen 1843 die Kolowrat-Liebsteinsky, 1870 die Arco-Zinneberg und gegen E. d. 19. Jhs. die Pongracz-Metternich. Das Schloss befindet sich heute in Privatbesitz.
(Erwin Kupfer)

Lage/Baubeschreibung:

Das Schloss liegt im Zentrum der gleichnamigen Stadt hinter einer hohen Parkmauer, in einem breiten Sumpfgebiet der parallelen Wasserläufe Kalter Gang und Piesting. Das Ensemble gliedert sich in das zentrale Wasserschloss, einen vorgelagerten Wirtschaftshof sowie einen weiträumigen Barockpark. Die Baugeschichte kann aufgrund einer Analyse von Adalbert Klaar sowie zahlreicher Baudetails gut rekonstruiert werden. Wohl auf eine natürliche Insel nutzend, wurde im 13. Jh. ein grundlegender Neubau errichtet. Auf rechteckigem Grundriss von 31 m Seitenlänge entstand ein Kastell mit 1,7 m starken Mauern, die einst wohl bis in 9 m Höhe gleich stark blieben, um darüber einen Wehrgang mit Zinnenkranz zu tragen. An der NW- sowie der SO-Ecke sind diagonal Türme situiert, von denen der SO-Turm mit bis 9 m Breite und 2,9 m Mauerstärke etwas größer dimensioniert ist. Ein Rundbogenportal im Obergesch. indiziert einen ehem. Hocheinstieg. Parallel zum N-Bering identifizierte Klaar einen primären Palas, der heute durch Verputz nicht mehr einzustufen ist. Im Schlosskeller ist stellenweise Mauerwerk einsehbar, das über einem plattigen Fundament mit Ansätzen von Opus Spicatum grob blockhaft zugerichtete Strukturen in lokal ausgezwickelten Einzellagen aufweist. An den Türmen finden sich Eckbuckelquader mit auffällig steil herausgearbeiteten Bossen und breitem Randschlag. Während das Mauerwerk durchaus noch der Spätrom. verhaftet scheint, deuten die Buckelquader bereits in frühgot. Zeit, analog etwa zu Asparn an der Zaya. Es könnte somit ein Baubeginn M. d. 13. Jhs. und eine Fertigstellung der Türme E. d. 13.Jhs. angenommen werden. Das korreliert mit der Erstnennung eines Adeligen 1294. Bemerkenswerter Weise finden sich kaum Hinweise auf spätma. Ausbauten, wahrscheinlich wurde in dieser Zeit die bei Vischer 1672 dargestellte und im frühen 18. Jh. fast restlos abgetragene Vorburg errichtet. Hier steht auch die um 1400 geweihte Burgkapelle, ein bedeutender Einstützenraum mit 5/8-Chor und reich reliefiertem Kreuzrippengewölbe. Die großteils bauzeitlichen Glasgemälde befinden sich heute verstreut in internationalen Museen. Aus dem 15. Jh. stammt eine prunkvolle Sakramentsnische. Unter Hieronymus Beck v. Leopoldsdorf wurde um 1581/88 eine großzügige Erweiterung zum Schloss vorgenommen. An die Vorburg wurden 2 massive Trakte gestellt, die auf 3 Gesch. mit schweren Kreuzgratgewölben sowie profilierten Balkendecken ausgestattet wurden. Hier wurden 1959/60 Renaissancemalereien mit Rankenwerk und Tiergrotesken freigelegt. Um die Kapelle platzierte man antike Steinskulpturen bester Qualität, die möglicherweise von Bildungsreisen Becks in den Orient stammen.
Nach der kräftig rustizierten Hauptfassade gelangt man durch die zentrale Einfahrt mit steil angeputztem Spiegelkappengewölbe in den nunmehr 4-flügel. Innenhof, dessen 2 alte Trakte ebenfalls grundlegend erneuert wurden. Die Fassaden zeigen ebenerdig Arkaden, zentral mit reliefierten Wappentafeln der Familie Beck. Parallel dürfte ein komplexer Turmaufsatz mit Türmchen und Balkonumlauf datieren. Das Kernschloss ist im N, O und S mit einer Bastionärbefestigung umgeben. Im N mit 2 spitzwinkeligen Eckbastionen ausgestattet, bildet die Anlage im S ein weit vorgezogenes Kronwerk, das die Funktion einer Vorburg übernimmt und auch die spätma. Burgkapelle einschließt. Die Bastionen folgen den Flankierregeln, besitzen aber keine Brustwehr mehr, was wohl als Folge der Barockisierung von 1704/05 zu werten ist. Hieronymus Beck ließ anlässlich des Schlossausbaus 1581/88 wegen des sumpfigen Terrains auch sichere Fundamente und gepflasterte Wassergräben anlegen, was als Indiz zur Datierung der Befestigung zu werten ist. Die bei Vischer 1672 dargestellten Wehrmauern wurden 1704/05 samt der Vorburg abgebrochen und zu einer geräumigen Plattform planiert. Im 18. Jh. entstand der weitläufige Park, der über ein großes Gittertor mit flankierenden 8-eck. Pavillons zu erreichen ist. Im Vorfeld haben sich stark umgebaute Reste des Meierhofs erhalten, der im Kern wohl auf das 16. Jh. zurückgeht.
(Patrick Schicht/Gerhard Reichhalter)

Files

Das Schloß Ebreichsdorf (Ebrestorff) auf einem Kupferstich des Georg Matthäus Vischer (Wenns, 1628- Linz, 1696) aus Topographia Archidvcatvs Avstriæ Inf. Modernæ (1672)
Das Schloß Ebreichsdorf (Ebrestorff) auf einem Kupferstich des Georg Matthäus Vischer (Wenns, 1628- Linz, 1696) aus Topographia Archidvcatvs Avstriæ Inf. Modernæ (1672)
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Informationstafel zum Schloß Ebreichsdorf
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